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Wenn das Leben wie eine Schachtel Pralinen ist, dann sollte sie von gleem sein

Zugegeben, auf diesem Blog sollte Süßes keine Rolle spielen. Es schien uns kein Ernst zu nehmendes Thema für die neue Esskultur zu sein, für die wir werben möchten. Dann kam Anna. Ihre Liebe für wertvolle Zutaten, ihre achtsame Manufaktur-Arbeit und das ehrliche Storytelling hat uns überzeugt – ihr "Süßes" übrigens auch!

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ir besuchen Anna Gliemer in ihrer Produktion auf der Peute, ein zum Stadtteil Veddel gehörendes Industriegebiet in Hamburg. Die Binneninsel Peute liegt zwischen den Elbbrücken gegenüber von Rothenburgsort und direkt an der Norderelbe. Jahrzehntelang waren die dortigen Kanäle das Einfallstor für die Frachtkähne, die aus Richtung Dresden die Elbe nach Hamburg befuhren. Heute vermieten Makler Gewerberäume der ehemaligen Fabrikanlagen mit ansprechendem Loft-Charakter an lokale Akteur*innen aus der Kreativwirtschaft. Und hier werden Pralinen hergestellt?

Wir entern eines der Fabrikgebäude und machen uns im 2.Stock auf die Suche.  Weihnachten steht vor der Tür und viele Pakete auf einer Bierbank davor. Zögerlich werfen wir einen Blick hinein. Auf der einen Seite steht eine Maschine, deren Zweck wir auf den ersten Blick noch nicht erkennen können. Wir erblicken Kühlungen, Werkzeuge, einen Schreibtisch und wenige Stühle. Und im Zentrum strahlen blanke Edelstahlarbeitsflächen mit Anna um die Wette.

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„Do what you love“

Als studierte Betriebswirtschaftlerin hat Anna kein klassisches Handwerk gelernt. Sie folgt ihrer Passion und Vision von „guten“ Lebensmitteln. Für das, was Anna macht, müsste sie Konditor-Meisterin sein. Das ist Gesetz. Da sie in ihren Produkten weder Mehl, Butter, Milch & Co verwendet, darf sie die Köstlichkeiten aus ihrer Patisserie auch ohne Meisterbrief anbieten. Das hat sie schriftlich - und nicht nur wir freuen uns sehr darüber.

Anna Gliemer ist dabei ihren Traum zu leben. Oder ist es einfach die logische Konsequenz einer Umsetzung von Leidenschaft, Kompetenz und Haltung? Schon früh wurde ihr beigebracht, die Herkunft von Lebensmitteln zu hinterfragen. Und schon früh musste sie lernen, ihre Ernährung auf die Bedürfnisse ihres Körpers einzustellen. Dazu gehörte vor allem der Verzicht auf Zucker.

 

"Wenn wir unserem Körper Kristallzucker geben, fragt er, wo ist der Rest der Rübe, damit er es besser verstoffwechseln kann."

 

Der Familien- und Freundeskreis wollte auf ihre Kreationen nicht verzichten und somit war eine großes Feld an Probanden gesichert.  Wenn man erst mal auf der Suche ist, erlaubt die Neugierde kein Halten mehr. Inzwischen ist Anna eine Kennerin sämtlich bekannter Ernährungsformen. Für sich hat sie entschieden – ihre Patisserie ist lebendig. Kein Lebensmittel wird wärmer als bei 38 Grad verarbeitet, so bleiben alle guten Inhaltsstoffe erhalten.

"In meine Patisserie kommen nur vollwertige, naturbelassene Bio-Zutaten in Rohkostqualität, um alle wertvollen Nährstoffe zu erhalten. Meine Pralinen sind eine ganz besondere Spezialität. „Pralinen ohne Zuckerzusatz“ bedeuten für mich, nur mit Zutaten zu arbeiten, die man in der Natur findet und pflücken kann. So süßen wir mit frischem Obst und Früchten oder achtsam und nachhaltig erzeugtem Bio-Honig."

Rawnies & raw food brownies

Während wir ihr die Fragen stellen, zerteilt Anna konzentriert, akkurat und mit einem großen Messer eine Teigrolle, die mit Mohn gefüllt ist, in gleichmäßige Stücke. Neben Pralinen gehören auch Törtchen, Kuchen und Desserts zum Programm. Hier heißen sie auch mal Rawnies oder raw food brownies.

"Es geht doch nichts über ein gutes Stück Mohnrolle. Ich nehme dafür einen Teig aus glutenfreiem Erdmandelmehl, Dattelmus und Zitronenschale, verfeinere ihn mit Pflaumenkernöl und fülle ihn mit einer Creme aus Blaumohn, Mandelmus und Kakaobutter – köstlich!"

Anna nimmt es genau. Angefangen von der Idee, über die Zutaten, die Form bis hin zur Verpackung. Hier arbeitet sie zum Teil mit Gras- oder beschichtetem Karton, um Plastik zu vermeiden.

"Ein anderes tolles Material ist Moso-Bambus – Tree-Free, nachhaltig & umweltschonend. Er steht nicht auf dem Speiseplan von Pandas und wächst schneller als jede andere Pflanzenart. Was bei uns manchmal (leider vorgeschrieben) wie Plastik aussieht, ist PLA (Polymilchsäure = Plastikalternative). Sieht aus wie herkömmliches Plastik – ist es aber nicht."

Eine faszinierende Mischung aus Leichtigkeit, Stil und Perfektion füllt den Raum, während im Hintergund ihre beiden Mitarbeiterinnen, langsam die (noch) unbekannte Maschine auf Touren bringen.

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Nach und nach leitet ein schmales Förderband die handgeformten Pralinenrohlinge durch den flüssigen Schokoladenvorhang der surrenden Überziehmaschine. Die dunkle, samtige Masse glänzt so stark, dass weder der Autofokus noch meine Augen richtig scharf stellen können. Durch die feinen Gitterstäbe tropft das überschüssige Schwarz in die Auffangwanne.

Anna reicht uns eine Gabel, um die Masse zu verkosten, nicht ohne uns vorher zu warnen. Diese Schokolade schmeckt natürlich anders, als die lila Verwandte, die ein Kuckuckskind sein muss 😉

Durch die Naturbelassenheit der Kakaobohnen und das Mahlen zu Kakaomasse ohne vorherige Röstung, behält der Kakao seine wertvollen Nährstoffe. Allerdings auch eine leichte, durch das Fermentieren hervorgerufene Säure. Der Vorgang des Mahlens erinnert an die Kaltpressung von Olivenöl. Wird die Kakaomasse weiter gewalzt, trennt sie sich in Kakaobutter und Kakaopulver.

Die Zutaten für ihre Produkte bezieht Anna aus kleinen Farmer-Kooperativen und hat zu fast jedem Lieferanten persönlichen Kontakt. Aus einem der Schränke holt sie einen Eimer und hält ihn uns unter die Nasen. Wir dürfen die verführerisch duftenden italienischen Haselnüsse probieren – so können sie also auch schmecken.

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Jetzt sind wir auf den Geschmack gekommen. Pralinen ohne Zuckerzusatz sind die Basis der Naturpatisserie gleem.  Wie wir eben erleben durften, nutzt Anna keine Kuvertüre, wie sonst üblich in der klassischen Konfisserie. Die Zutaten bleiben so erhalten, wie sie geerntet werden. Nur mit ein paar Gramm Kakaobutter wird die rohe Schokolade zu einem unvergleichlich aromatischen Schokoladenüberzug für die gleem-Pralinen.

Wir haben Lust auf Himbeere: Die Chocolat D'Amour Praline ist die pure Verführung — sauer-fruchtige Himbeeren in Bio-Honig, umhüllt von einer zarten Schicht Schokolade. Eine wahre Aromen-Explosion.

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2015 hat Anna Gliemer Deutschlands erste und einzige Naturpatisserie, gleem – Finest Natural Sweets, gegründet. Sie ist Gründerin, Inhaberin und Geschäftsführerin. Ihr Wachstum ist so natürlich wie ihre Zutaten, stete Gewinnmaximierung und Skalierbarkeit stehen dabei nicht auf dem Speiseplan, kein klassisches Start-up also. Was dazu gehört, ist ihr buntes, flexibles und saisonales Team. Ihr größter Antrieb ist die Neugier. Sie möchte sich ständig weiter entwickeln, Dinge ausprobieren.

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THE FOOD by gleem ist ein Pop-Up, Catering und Koch-Konzept für gutes Essen aus ehrlichen Zutaten. Anna gibt Workshops (aktuell auch digital) und ihr könnt sie für special events und private cookings buchen.

 

Das war ein besonderes Treffen, vielen Dank, liebe Anna. Im Januar haben wir fest den Besuch deines Pop-Ups in der HOBENKÖÖK eingetragen, wir freuen auf die Dominosteine und wissen jetzt – wenn das Leben wie eine Schachtel Pralinen ist, dann sollte sie von gleem sein!

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#foodforthought  #gedankenanstoss  

Guter Geschmack ist – raw

Wir geben Milliarden für Nahrungsergänzungsmittel aus und gleichzeitig konsumieren wir Produkte, aus denen alles Lebendige heraus gekocht, konserviert und gespalten wurde. Mittel ohne Leben. Wann hast Du zuletzt einen Apfel gegessen? Einen kompletten Apfel und nur den Apfel? Wie hat er geschmeckt?

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Anna Gliemer

  • Manufaktur in der Peutestraße 53c Hamburg
  • kein Ladengeschäft
    Deutschland
  • Telefon: 040 20954017
  • www.gleem.de

1 Kommentar zu “Wenn das Leben wie eine Schachtel Pralinen ist, dann sollte sie von gleem sein

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