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Wildact Adventure

Unabhängig davon, ob du eine Löffelliste hast oder nicht, eine Schlittenhundfahrt sollte definitiv draufstehen. Unweit von Arvidsjaur im schwedischen Lappland durften wir diese Erfahrung bei "Wildact" sammeln. Genossen haben wir mehr als das Abenteuer.

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Eine Husky-Tour stand nicht auf unserem Plan. Ehrlich gesagt hatten wir gar keinen Plan, nur ein Ziel und das hieß: Abenteuer Lappland.

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nfassbare Landschaften, frei lebende Rentiere und das Nordlicht hatten wir inzwischen gesehen. Einige unvergessliche Momente haben sich bereits in unseren Herzen verewigt. Alles, was jetzt noch kommt, ist die berühmte Kirsche auf der Torte.

Unsere private "Skandinavien-Expertin" erzählte vor unserer Abreise von zwei Schweizern, die in der Nähe von Arvidsjaur Hundeschlittentouren anbieten. (Die Gegend ist übrigens bekannt für Autotests aller großen Firmen.) Wir erinnerten uns an die vielversprechende Empfehlung und mailten spontan unsere Frage nach einer kleinen Tour für den nächsten Tag. Es dauerte nicht lange und Jürg antworte sehr freundlich:

"Gerne fahren wir eine Tour mit euch. Start 9:15 Uhr bei uns. Dann fahren wir eine Halbtagestour, als Selbstfahrer. Ganze Aktivität dauert mit Kaffee und Kuchen ca. 4 Std."

"Wo chiemte mer hi
wenn alli seite
wo chiemte mer hi
und niemer giengti
fur einisch z'luege
wohi dass me chiem
we me gieng."
Kurt Mati

Auf gut deutsch heißt das soviel wie: Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge. Dieser Spruch hängt zu Hause an der Wand und machte hier mal wieder so richtig Sinn. Wir verlegten den Start auf 9:45 und buchten.

 

Pünktlich erreichen wir am nächsten Tag die Husky-Farm von Simone und Jürg Eugster. Seit 13 Jahren leben die beiden gebürtigen Schweizer mit ihren beiden Kindern und 65 Hunden am südlichen Rand der Provinz Norbotten Län. Ein Auswanderer Paar, das sich nicht nur ein schmuckes Zuhause, sondern auch ein erfolgreiches Business aufgebaut hat.

Beim Eintritt in die gute Stube denken wir an das Klischee über die Schweizer: freundlich, sauber und ordentlich – im allerbesten Sinne! Unvermittelt und brav setzen wir uns auf die Holzbank und ziehen unsere Stiefel aus. Luis, der 8-Jährige Sohn begrüßt uns fröhlich mit Teig an den Händen. Louis backt Schoko-Brödli.

Unser Schwedisch ist (noch) zu rudimentär, dass wir es sehr genießen, mit Simone quasi in der Muttersprache alle Fragen stellen zu können und viel Neues aufzusaugen. Draußen hören wir die Hunde, die ungeduldig auf den Ausflug hoffen. Wir beenden vorerst das Plaudern und stapfen zur nächsten Hütte.

Die kommenden Stunden können kalt werden. Die eigenen Stiefel sind Minustemperaturen erprobt, auch die Jacken halten uns warm, bei den Hosen sind wir nicht sicher. In den Regalen stapeln sich Kleidungsstücke und Schuhe in allen Größen. Schnell sind die passenden Snowpants für drüber gefunden, wir sind startklar.

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Halte den Schlitten fest! Die Hunde laufen. Mit Dir und sehr gerne auch ohne Dich.

 

Mit lautstarkem Bellen und Heulen werden wir begrüßt. Unser Musher Nadja, ebenfalls aus der Schweiz, muss schon ordentlich die Stimme erheben, um uns in die Grundlagen des Schlittenfahrens einzuweisen. Die wichtigste Lektion: den Schlitten festhalten. Egal, was passiert. Es wird mir später noch nützlich sein. Geduldig und mit Herz erklärt sie uns alles, was Greenhörner wissen müssen. Noch ein paar Handzeichen und Kommandos, dann kann es losgehen.

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Zwei weitere Mitarbeiter haben die Gespanne vorbereitet. Wir haben je 5 Hunde vor dem Schlitten, Nadja führt 7 Alaskan-Huskies. Vor dem Start sind sie kaum zu halten. Wir stehen auf der gummierten Bremsmatte, die zwischen die Kufen gespannt ist und müssen uns ordentlich ins Gewicht legen. Dann öffnet sich das Tor und ab geht die Post. Die zweite Lektion: Bis zum See immer bremsen, befolgen wir fast automatisch. Den See erkennen wir natürlich nicht. Der zeigt sich seit vielen Wochen schon von Eis und Schnee bedeckt. Dennoch fühlen wir, irgendwo da unter uns muss Wasser sein.
In der weißen Weite legt sich die Anspannung. Dann wieder haben wir Sorge, einen der Bäume zu touchieren, zwischen denen wir hindurchfahren. Doch die Hunde kennen die Strecke und das Vertrauen wächst.

Lektion Nummer drei: Wenn ein Hund sich erleichtern muss, Hand hoch und anhalten. Zu Beginn läuft das etwas holperig, dann entwickeln auch wir ein Gefühl für die Notdurft.

Inzwischen sind wir alle im Flow und wagen erste Blicke nach rechts und links. Meist ist die Landschaft offen und weit, mal stehen die schneebedeckten Tannen wie sich verneigenden Zuschauer neben unserer Spur. Nadja zeigt auf einen aufgeschreckten Auerhahn, unsere Blicke kommen zu spät.

Das Tempo der trabenden Hunde ist jetzt völlig gleichmäßig. Ich fühle mich sicher genug, mein Handy gegen meine Kamera zu tauschen. Ein paar Motive gelingen bei der Fahrt. Dann hält unser kleiner Zug. Nadja sichert vor mir ihren Schlitten mit der Kralle und vertäut ihn zusätzlich an den Bäumen. Sie stapft mir durch den tiefen Schnee entgegen: "Ich filme euch jetzt. Fahrt auf mein Handzeichen los und in sanfter Kurve an mir vorbei." Alles klar. Die Aufregung der Hunde steigt wieder. Sie springen und bellen. Ich sehe noch, wie sie den Arm hebt, steige von der Bremse und – kippe in den Schnee. Lektion eins: Haltet den Schlitten fest, egal, was passiert. Da liege ich nun und warte auf Rettung. Es dauert nur ein paar Minuten und Nadja hat die Tiere und mich wieder sortiert, bereit für einen zweiten Versuch. Der gelingt, bis auf das Lächeln in die Kamera, das meiner Konzentration zum Opfer fällt.

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Das Wetter wird ungemütlicher. Leichtes Schneetreiben setzt ein und ein eisiger Wind weht uns entgegen. Wir blinzeln durch die Schlitze unserer Gesichtsmaske, in wenigen Augenblicken sind unsere Wimpern vereist. Auch das hat seinen Reiz und wir genießen mit allen Sinnen die letzten Minuten der Fahrt.  Ein wenig traurig, dass dieses Abenteuer gleich zu Ende ist, passieren wir das Tor.

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Zurück auf der Farm, werden wir bereits lautstark von den anderen Vierbeinern begrüßt, die neugierig aus ihren Kennels an die Zäune kommen. Die Zweibeiner haben eine warme Suppe für unsere Huskies vorbereitet, das haben sie sich mehr als verdient.
Wir dürfen noch beim Abschnallen helfen und schälen uns dann selbst aus den verschneiten Klamotten. Auf uns warten jetzt Kaffee und Kuchen.

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Fikapaus

Schon mehrfach haben wir auf diesen Seiten die schwedische Tradition der unverzichtbaren Kaffeepause erwähnt. Die darf nach so einem Ausflug natürlich auch nicht fehlen. Ebenso klassisch ist die Möhrentorte, die wir jetzt serviert bekommen. Mit Liebe selbst gemacht und mit Zuckerguss überzogen. Wir genießen jeden Bissen der noch warmen Torte und nehmen ein zweites Stück.

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Svenska Morotskaka

Springform 26cm Durchmesser
Backen: 15-20 Minuten bei 170-180 Grad

200gr Karotten gerieben
3/4 dl Mandeln gemahlen
2 Eier
2 dl Milch
Vermischen in einer Schüssel

1dl Rapsöl (mild)
In den Teig träufeln

1 TL Zimt
1 TL Vanillezucker
1 TL Backpulver
2dl Mehl
Alles zusammen mit Teil 1 in einer Schüssel vermischen.

In eine Springform füllen und backen.

Topping:
100gr Philadelphia
1dl Puderzucker
1 TL Zitronensaft

Zutaten verrühren und auf den ausgekühlten Kuchen streichen.
Mit Mandeln und Zimt garnieren.

Luis hat sein "Schoko-Brödli" fertig gebacken. Es riecht lecker und wir sind froh, dass wir uns gerade ausführlich gestärkt haben.

Wir sitzen eine ganze Weile gemeinsam am Tisch. Hinter uns brennt der Kamin und wir hören gespannt zu, welche Abenteuer man hier oben bei Wildact noch erleben kann.

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Bei Wildact kommt jeder auf seine Kosten - auch kulinarisch

 

Simone liebt es, die Gerichte, die sie anbietet, aus regionalen Produkten selbst herzustellen. Sie nimmt ihre Gäste mit auf eine Entdeckungsreise durch die lokale Küche Lapplands, gepaart mit den Einflüssen ihrer Schweizer Heimat. Eine spannende Mischung, Gerichte mit Leidenschaft zubereitet, gern über dem offenen Feuer.

Simone und Jürg verwenden in ihrer Küche Beeren aus den Wäldern Lapplands, lokales Elch- und Rentierfleisch, sowie regionalen Fisch (Bergsaibling). Selbstgebackenes ist sowieso ein Muss bei Wildact. Egal ob Knäckebrot, Buns für die Elchburger, der sonntägliche Hefezopf oder das ofenfrische Brot zum Frühstück: Alles stammt aus der eigenen Backstube.

Die Trekkingnahrung für die Sommertouren wird ebenfalls selbst zubereitet. Getoppt wird das wohl nur noch vom Outdoor-Kochkurs:

Die Natur versorgt uns Menschen schon seit Jahrtausenden mit allem, was wir zum Leben brauchen. Doch im turbulenten Alltag ist das Essen oft nur noch Mittel zum Zweck. Die wenigsten von uns ernten noch Ihr eigenes Gemüse im Garten und der Großteil unserer verzehrten Nahrung kommt aus den Regalen eines grossen Supermarktes. Finden Sie zusammen mit Wildact zurück zu Ihrem natürlichen Ursprung. Lernen Sie beim Outdoor Kochen, wie aus den Gaben der Natur eine vollwertige Mahlzeit wird. Wir zeigen Ihnen ausführlich, welche wilden Pflanzen und Kräuter Sie unbedenklich essen können und wie diese richtig zubereitet werden. Gemeinsam genießen wir so ein üppiges Mittagessen mitten in der Wildnis Schwedisch Lapplands. Ein kulinarisches Abenteuer für die ganze Familie wartet auf Sie.

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Es wird Zeit, sich zu verabschieden, für diesen Winter. Draußen ist es bereits seit einigen Stunden dunkel. Jürg fräst lautstark Wege in den tiefen Schnee – Man muss sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen ...

Zum Andenken packen wir noch ein paar geschmackvolle Souvenirs ein, die Erinnerungen an die Hunde und den Ausflug haben wir ohnehin für immer dabei.

Vielen Dank an Simone und Jürg, an Sarah und Jonas für die Unterstützung und an Nadja für die tolle Begleitung. Vi ses igen!

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Wildact Adventure

Simone Mendelin und Jürg Eugster