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Der Hof an den Teichen

Im letzten Sommer waren wir zum ersten Mal in diesem kleinen Paradies. Bunte Bentheimer und rosa Ferkel wetzen um die Wette. Gänse im See, Schafe auf den Weiden und Hühner im Wald, wo sie auch hingehören. Wir schlemmen kleine Köstlichkeiten am offenen Feuer vor dem imposanten Schornstein. Viele Gründe, um wiederzukommen, auch im Spätherbst.

 

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Über die sozialen Netzwerke verfolgen wir seit geraumer Zeit das bunte Treiben auf dem Permakultur- und Archehof. Eine Welt, wie sie uns gefällt. Doch das sind Bilder. Wir wollen uns persönlich davon überzeugen und haben einen Termin. Die erste Überraschung erwartet uns bereits vor dem Hofcafé, wo wir verabredet sind. Die Mitarbeiterin, die uns führen sollte, ist noch beschäftigt und "schickt" ihren Chef. Klaus Hoppe schnürt sich die Stiefel, nimmt seinen Hut und begleitet uns durch sein Paradies. Wir jubeln schon ein wenig, innerlich.

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Klaus Hoppe kam vor 28 Jahren nach Lüneburg, um Kulturwissenschaften, Betriebswirtschaft & Ökologie zu studieren.

Er war 1993 AStA-Finanzreferent und ist Mitbegründer des Campus Lüneburg e.V.. Heute ist er der Geschäftsführer der Campus Management GmbH. Sein unternehmerischer Erfolg ist beispielhaft. Die Finanzwelt mag ihn für seine Zahlen loben. Wir sind beeindruckt von seinen Werten und was er mit seinem Team (aktuell ca. 200 MA) in mehr als 25 Jahren für Bildung, Kultur & Natur geschaffen hat. So geht es also auch!

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Hoppe stieß 2011 bei der Suche nach passenden 400 qm für den Campusverein auf das Gelände. Eine brachliegende Ziegelei erschien ihm jedoch nicht passend. Als er bereits weiterfahren wollte, traf er auf den Eigentümer. Dieser zeigte ihm, was von der Straße aus nicht sichtbar war: 10 Hektar Land mit Wald und Teichen. Die Pacht war leistbar und er verliebt. Seine neue Idee: sich als Landwirt im Nebenerwerb auszuprobieren.

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Die Geschichte von dem Zaun

Auf der ehemaligen Pferdeweide stellte Klaus sich eine Streuobstwiese vor. Mit der Hilfe von Freunden pflanzte er 150 Apfelbäume und zog einen Wildschutzzaun. Eine Jägerin beobachtete das Treiben. Drei Tage später meldet sich die Naturschutzbehörde und verlangte den Abbau des Zaunes, Wild abhalten verboten. Alle Bäume wurden nun einzeln mit einem Wildschutzzaun versehen, das ist erlaubt.

Die nächste Herausforderung: Der "Neu-Landwirt" musste  etwas gegen die Wühlmäuse unternehmen. Das hieß, den Raubvögeln Zugang zu den Mäuselöchern zu ermöglichen. Dazu muss die Wiese kurz gehalten werde. Der ideale Job für Schafe. Für eine Rasse, die mit dem Gelände und dem Wasser klar kommt. Es ist leider keine Mär, dass Schafe, deren Fell sich vollsaugt, sollten sie hinfallen, nicht mehr aufstehen können. Das gilt jedenfalls für die, für Fleischnutzung gezüchteten Rassen und betrifft nicht die alten Nutztierrassen. Bei seiner Suche nach dem passenden Schaf, stieß Klaus auf die "Hornlose Moorschnucke".
Eine weitere, neue Welt tat sich für ihn auf. Die Welt der Arche Tiere.

Die Wölfe kamen zurück in die Heide und nahmen sich 4 der damals 7 Moorschnucken. Da hat das Land gesagt, baut einen Zaun. Da steht er nun und die Welt ist wieder in Ordnung.

Die 7 Moorschnucken und die Streuobstwiese bildeten den Grundstein für die heutige Vielfalt auf dem Hof.

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A wie Aufbau, B wie Bürokratie

Klaus nennt sich im positven Sinne 'vorgeschädigt'. Er ist auf dem Land groß geworden. Seine Eltern hatten einen Garten von 3000 qm, der mit gesetzten Hügelbeeten die Selbstversorgung der Familie mit 4 Kindern gesichert hat.

Aber wie macht man nun aus 9 ha Land und 1 ha Wasser einen landwirtschaftlichen Betrieb? Wenn man sich bei Landwirtschaftskammer als solchen anmelden möchte, benötigt man zum einen eine entsprechende Ausbildung und 300 ha Land, zum anderen muss man nachweisen, dass es kein Hobby ist. Es gilt Überschüsse zu erwirtschaften.

Die ersten Jahre hat Klaus benötigt, um dies nachzuweisen, denn nur ein Landwirt darf Nutztiere halten! Da er in seiner privaten Steuererklärung über mehrere Jahre seinen "Verdienst" aus dem Gelände (z.B. Streuobst verkaufen) versteuert hat, war er automatisch in der Landwirtschaftskammer und bekam endlich die benötigte Betriebsnummer.

Solch einen Betrieb baut man auf, um ihn zu erhalten. Da Klaus keine Nachkommen hat, gründete er im Sommer 2016 mit der Campus Management GmbH eine Stiftung und gab ihn in deren Hände. Das bedeutet trotzdem, dass Der Hof an den Teichen positiv wirtschaften muss. Die Stiftung hat das Gelände der alten Ziegelei dazugekauft. Hier ist nun Raum geschaffen worden für die Nutztiere. Wer A sagt, muss eben auch B sagen und C ...

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Wir schlendern weiter über das Gelände, vorbei an den alten Ziegelsteinmauern, an deren warmer Wand im Sommer prächtige Tomaten wachsen. Auf dem Boden gedeiht jedoch nichts, zu tief liegt der Schutt. Hochbeete (angenehm für die Gärtner) und Hügelbeete (gute für die Kompostierung) sind die Lösung für den Anbau von Kräutern und Gemüse.

Das Konzept der Permakultur

zeichnet sich durch Nachhaltigkeit und Effizienz aus. Grundprinzip ist ein ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiges Wirtschaften mit allen Ressourcen. So ist ein ganzheitlicher Denkansatz entstanden, der davon ausgeht, dass ein Element nie als getrennt vom gesamten System betrachtet werden kann, weil die Wechselwirkungen zwischen Element und System ein wichtiger Bestandteil des einzelnen Elementes sind. Auf kleinem Raum werden Ökosysteme aus mehrjährigen und sich selbst vermehrenden einjährigen Pflanzen und Tierarten geplant und umgesetzt. Die gestalteten Lebensräume organisieren sich größtenteils selbst, erfüllen die menschlichen Grundbedürfnisse und sind ökologisch unbedenklich.

Arche Region

Die GEH – Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. aktualisiert alljährlich die Rote Liste der gefährdeten Nutztierrassen, benennt die Gefährdete Rasse des Jahres, initiiert Projekte wie das Arche-Hof Projekt mit über 90 Betrieben bundesweit und ist Mitglied in nationalen und internationalen Organisationen zur Erhaltung der Biodiversität. Dank des Engagements ist in Deutschland seit Bestehen der GEH keine Haustierrasse mehr ausgestorben.

Aus einer Herde von 7 Tieren wurden bis heute 40 Muttertiere mit Lämmern. Die Bienen kamen vor 4 Jahren dazu. Mittlerweile beherbergt der Hof neben den Schafen und Lämmern noch 14 Ziegen, 40 Bentheimer Schweine, 100 Hühner, 10 Enten und Gänse, sowie 2 Rinder.

Im Sommer liefen die Borstenviecher draußen herum. Sie suhlten sich in der Erde, hatten Spaß in den Pfützen und genossen es, hinter dem Ohr gekrault zu werden. Heute stehen, oder besser liegen, sie im offenen Stall und sind zutraulich. Als Ferkel kommen sie auf den Hof, selber gezüchtet werden die Bunten Bentheimer jedoch nicht.

Ein paar Ställe weiter lugen vorwitzig ein paar gehörnte Köpfe durch die Stäbe. Die Thüringer Waldziegen sind relativ neu und dürfen lange bleiben. In naher Zukunft soll eine Ziegenkäserei entstehen.

Direkt nebenan, fast schon ein wenig weihnachtlich, stehen die Schafe vor der (Futter)Krippe. Die Nachmittagssonne strahlt durch eine Öffnung. Wie schon Cohen sang: "There's a crack in everything / that's how the light gets in"...

Unser Rundgang ist fast beendet. Vorbei an beeindruckend großen Holzstapeln, die man übrigens auch kaufen kann, bleiben wir vor einem weiteren Außengehege stehen. Hier suhlen sich noch ein paar Bentheimer.

Und in der Zukunft? Der Arche Hof vergrößert sich im direkten Umland, um genügend Platz für die Nutztiere zu haben. Ein weiteres Standbein sollen die Kräuter werden.

Wir verabschieden uns von Klaus Hoppe, der dringend zu einem Zoom-Meeting muss. Nicht ohne dass er uns verrät, was in seinem Kühlschrank nicht fehlen darf: Käse, Rotwein und Lammfilets, die eigenen, versteht sich.

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Hof an den Teichen